Bad Oeynhausen

Wulferdingser Bach, OT Eidinghausen, Schnedingsen: Anhebung Gewässersohle, Sohlgleite statt Stauwehr

Kommune:
Stadt Bad Oeynhausen, OT Eidinghausen westlich der Eidinghauser Straße in Schnedingsen

Gewässer:
Wulferdingser Bach (Kaarbach), GWK 46992, Gewässerstationierung 4+150 – 4+350

Art der Maßnahme:
Anlage eines Gewässerbogens auf deutlich höherem Sohlniveau mit anschließender Verfüllung des alten Gewässerabschnittes. Rückbau eines ehemaligen Stauwehres und Anheben der Gewässersohle. Im Unterwasser der beiden Sohlanhebungen schließt sich jeweils eine raue Sohlgleite an.

wul-schnedingsen-1Bild 1 (Juni 2012): Blick talwärts auf die raue Sohlgleite, die inklusive Tosmulde eine Gesamtlänge von etwa 40 m besitzt.
 
Einleitung:

Der Wulferdingser Bach weist westlich der Eidinghauser Straße einen etwa 0,50 m hohen Sohlabsturz im Bereich eines alten Stauwehres auf. Das Wehr selbst besteht aus massiven Betonmauern und einer quadratischen Betonplatte im Unterwasser. Weiter Bach abwärts hat sich ein Tiefenkolk herausgebildet. Hier ist der Bach sehr breit und tief im Gelände eingeschnitten. Oberhalb des ehemaligen Stauwehres schließt sich ein sehr kompaktes Gewässerprofil an. In diesem Abschnitt gibt es eine signifikante Sohlerosion. Hier fließt der Bach mittlerweile bis zu 2,30 m unter Geländeniveau. Infolgedessen kommt es nach Starkregen zu bordvollen Abflüssen im Bachbett. Die ausbleibende Ausuferung in die angrenzende, naturnah genutzte Aue führt zu monotonen Bedingungen in einem ansonsten dynamischen Ökosystem. Das Gewässer hat annähernd ein Trapezprofil ausgebildet, wobei stellenweise steile Böschungen vorherrschen. Zahlreiche Uferbäume begleiten den Bach, der ansonsten von Hochstauden umgeben ist.

Ziel:
Hauptziel der wasserbaulichen Maßnahme ist die Wiederherstellung der ökologischen Längsdurchgängigkeit. Darüber hinaus soll die Bachsohle dauerhaft gegen eine fortschreitende Sohlerosion stabilisiert werden. Schließlich fließen selbst größere Hochwasserereignisse im Gerinne mittlerweile bordvoll ab, ohne in die Niederung auszuufern. Deshalb ist vorgesehen den Bach dauerhaft auf ein höheres Sohlniveau zu bringen. Folglich ist das Gewässerprofil deutlich kleiner bzw. flacher, um frühzeitiger in die Aue auszuufern. Erst dann ist es möglich, dass zukünftig wieder eigendynamische Prozesse in der Gewässeraue ablaufen.

Zu Beginn der wasserbaulichen Maßnahme wurde das Baufeld hergerichtet. Dann wurde eine neue Bachtrasse mit einem kleinen Gewässerbogen abgesteckt. Das etwa 40 m lange Gerinne wird etwa 0,50 m flacher ausgekoffert als das bestehende. Weiter Bach abwärts schließt sich eine raue Sohlgleite an, die das neue Gewässerniveau stabilisieren wird. Die halbe Länge der Sohlgleite liegt dabei bereits im alten Bachbett und schafft so den Übergang zwischen neuen und alten Bachabschnitt. Der gewachsene Boden zwischen den beiden Gerinnen wird rund 0,50 m abgetragen, so dass eine kleine Sekundäraue entsteht. Diese wird bereits bei kleineren Hochwässern überströmt und führt so in kurzen Abständen zu dynamischen Entwicklungen. Nachdem das neue und flachere Bachbett ausgekoffert ist, wird der alte und sehr tief im Gelände verlaufende Abschnitt bis etwa 0,50 m unter Geländeniveau verfüllt. Dabei ist es entscheidend, dass der aufgefüllte Boden ausschließlich mineralisch und mit einem hohen Feinanteil (Ton) besteht. Des Weiteren muss der frisch angedeckte Boden sehr gut verdichtet werden. Schließlich muss sich der angefüllte Boden bestens mit dem gewachsenen Untergrund miteinander verzahnen. Der Übergang vom alten in den neuen Bach muss an der Nahtstelle zum verfüllten Bachabschnitt absolut dicht sein. Nur so kann gewährleistet werden, dass das Bachwasser nicht über die alte Bachsohle durchsickert und talwärts fließt. Dabei würde ein einmal begonnenes Durchströmen im aufgefüllten Untergrund ständig mehr Boden ausspülen und so die Fließmenge weiter erhöhen.

Im zweiten Schritt wird das ehemalige Stauwehr komplett abgebrochen und das anfallende Material fachgerecht entsorgt. Zuvor wurde der aktuelle Mittelwasserstand im Gelände markiert, um die Höhe anschließend beizubehalten. Nach den Rückbauarbeiten wird für die Wasserhaltung ein kleiner Graben ausgekoffert, so dass die weiteren Arbeiten im Trockenen stattfinden können. Um den Wasserstand dauerhaft stabil zu halten, wird ein Gabionenstrang quer zum Bach eingebaut. Zudem wurden noch zwei Stammstücke mit einem Durchmesser von etwa 0,40 m quer zur Fließrichtung eingebaut. Im Anschluss daran schließt sich unmittelbar die raue Sohlgleite an. Dazu wurden zunächst alle 5 m versetzte Pfahlreihen in den Untergrund getrieben. Das Sohldeckwerk der Gleite besteht aus Wasserbausteinen und Schotter. Die Gleite erhält eine leicht geschwungene Niedrigwasserrinne und am Fuße schließt sich eine Tosmulde an, die die Fließenergie des strömenden Wassers bremst. Nach Abschluss der Steinarbeiten wird der Boden an den Seiten angedeckt und verdichtet. Der anstehende Rohboden wird mit einer extensiven Wiesenmischung eingesät und diverse Gehölze werden im kommenden Herbst gepflanzt.

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Bild 2 (Mai 2011): Blick auf das ehemalige Stauwehr und einen Sohlabsturz von etwa 0,50 m. Die Rückstauwurzel reicht etwa 150 m weit.
 
wul-schnedingsen-3Bild 3 (Mai 2012): Blick Bach aufwärts auf den Bachabschnitt, der ab den Jungbäumen ökologisch optimiert werden soll.
 
wul-schnedingsen-4Bild 4 (Mai 2012): Ein neues Bachbett entsteht auf deutlich höherem Geländeniveau. Der anfallende Boden wird zunächst zwischen alten und neuen Gewässerabschnitt zwischen gelagert.
 
wul-schnedingsen-5Bild 5 (Mai 2012): Der alte Bachabschnitt wird mit Boden verfüllt und ausreichend verdichtet. Im neuen Bachlauf fließt aktuell lediglich Drainagewasser.
 
wul-schnedingsen-6Bild 6 (Mai 2012): Inzwischen ist der Wasserstand im alten Verlauf derart angestiegen, so dass sich das Bachwasser seinen Weg durch das neue Gerinne sucht.
 
wul-schnedingsen-7Bild 7 (Mai 2012): Mittlerweile ist der aufgefüllte Boden zu einer Sekundäraue modelliert und wird durch das Gewicht des Baggers weiter verdichtet.
 
wul-schnedingsen-8Bild 8 (Mai 2012): Nach der Teilverlegung des Baches folgt nun der Rückbau des alten Stauwehres.
 
wul-schnedingsen-9Bild 9 (Mai 2012): Inzwischen ist das Betonwehr komplett abgerissen und wird nach und nach in Bauschuttmulden geladen und entsorgt.
 
wul-schnedingsen-10Bild 10 (Mai 2012): Mittlerweile ist das Stauwehr komplett beseitigt und es werden die nötigen Geländehöhen bestimmt.
 
wul-schnedingsen-11Bild 11 (Juni 2012): Für die Wasserhaltung wurde ein kleiner Stichgraben (vorne links sichtbar) ausgehoben. Inzwischen wurde der Gabionenstrang aufgebaut und die beiden Stämme in Position gebracht.
 
wul-schnedingsen-12Bild 12 (Juni 2012): Nachdem die Höhen des Widerlagers mit der Zielhöhe übereinstimmten, werden Wasserbausteine und Schotter eingebaut.
 
wul-schnedingsen-13Bild 13 (Juni 2012): Um das Bachwasser gezielt über die anvisierte Höhe der Widerlager zu führen, mussten die Übergänge zu den Böschungen hin mit Boden und Wasserbausteinen angedeckt und verdichtet werden.
 
wul-schnedingsen-14Bild 14 (Juni 2012): Blick Bach abwärts auf das mittlerweile hergestellte Gleitendeckwerk.
 
wul-schnedingsen-15Bild 15 (Juni 2012): Die Wasserbausteine wurden höhenmäßig so eingebaut, dass eine kleine, leicht geschwungene Niedrigwasserrinne entstand.
 
wul-schnedingsen-16Bild 16 (Juni 2012): Blick Bach aufwärts auf die raue Sohlgleite. Die Böschungen wurden inzwischen bis an die raue Sohlgleite modelliert.
 
wul-schnedingsen-17Bild 17 (Juni 2012): Am Fuße der Sohlgleite wird eine etwa 12 m lange Tosmulde hergestellt. Die entsprechenden Steine nebst Schotter sind bereits seitlich abgekippt worden.
 
wul-schnedingsen-18Bild 18 (Juni 2012): An dieser Stelle unterbrach bis vor kurzem ein altes Stauwehr die Längsdurchgängigkeit im Wulferdingser Bach. Jetzt werden ein Gabionenstrang und zwei Baumstämme – die kaum mehr sichtbar sind – seicht überströmt. Diese naturnahen Widerlager bewerkstelligen dauerhaft eine optimale Durchgängigkeit für Wasserorganismen.
 
wul-schnedingsen-19Bild 19 (Juni 2012): Blick Bach abwärts auf die um 0,50 m angehobene Bachsohle mit angrenzender Sekundäraue entlang des neuen Gewässerbogens.
 
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