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Naturnahe Gewässerentwicklung

Hauptziel des Gewässerentwicklungsprojektes ist die naturnahe Entwicklung der heimischen Fließgewässer.

Natürliche Fließgewässer

Natürliche Fließgewässer sind sehr dynamische Ökosysteme. Durch die Kraft des fließenden Wassers kommt es zu Uferabbrüchen und Anlandungen. In der Folge kann es auch zu Veränderungen des Gewässerverlaufes kommen.
Naturbelassene Bäche und Flüsse stehen in enger Wechselwirkung mit den angrenzenden Landschaften, ihren Gewässerauen. Die Gewässeraue ist durch regelmäßige Überflutungen geprägt. Der Wechsel von Nässe, Überflutung und Trockenheit hat zur Bildung einer einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt geführt.

ImageMühlenbach in Hüllhorst im Nachtigallental
 
Flüsse und Bäche bieten Fischen und zahlreichen Kleintierarten wie z.B. Bachflohkrebsen, Eintagsfliegenlarven, Steinfliegenlarven, Köcherfliegenlarven, Feuersalamanderlarven, Muscheln und Schnecken Lebensraum.

ImageEintagsfliegenlarve Ephemera spp.
 
Das Vorkommen vieler Arten hängt entscheidend von einem ausreichenden Angebot an natürlichen Strukturen wie Kiesbänken, Kolken und Schnellen, Prall- und Gleitufern, unterspülten Baumwurzeln und Todholz im Gewässer ab.

Eingriff durch den Menschen

Schon sehr früh griff der Mensch in diesen speziellen Lebensraum ein. Durch die Einleitung von Abwässern aller Art verschlechterte sich die Wasserqualität rapide. Bei den massiven Gewässerausbauten im zwanzigsten Jahrhundert hatten die industrielle und landwirtschaftliche Nutzung, die Erschließung von Siedlungsraum und der Hochwasserschutz gegenüber der Gewässerökologie absoluten Vorrang.

ImageMittelbach in Löhne

 
ImageNebengewässer des Mühlenbaches in Hüllhorst
 
Fließgewässer wurden begradigt, befestigt und in ihrem Verlauf stark eingeengt oder verrohrt. Die natürlichen Strukturen im Gewässer selbst und in den angrenzenden Auen gingen verloren, so dass mehr und mehr Tier- und Pflanzenarten verschwanden. Um 1900 gab es z.B. in der Weser noch Lachs, Stör, Maifisch und Flussneunauge. Wenige Jahre später waren diese Arten verschwunden.

Bessere Wasserqualität durch Kläranlagen

Durch den umfassenden Ausbau der Kläranlagen und des Kanalnetzes seit den 1970er Jahren hat sich die Wasserqualität zwar deutlich verbessert, die natürlichen Strukturen stellten sich dadurch aber nicht wieder ein, so dass auch die verschwundenen Tierarten nicht wiederkamen.

heute: naturnahe Entwicklung der heimischen Fließgewässer

Die Arbeiten im Gewässerentwicklungsprojekt zielen auf die Anreicherung der heimischen Bäche mit naturnahen Strukturen, die Entwicklung eines naturnahen Gewässerverlaufes oder die Reaktivierung einer eigendynamischen Entwicklung. Typische Arbeiten sind z.B. der Rückbau naturferner Ufersicherungen, die Gestaltung naturnaher Böschungen, Erwerb und Gestaltung von Uferrandstreifen, die Neuanlage begradigter Gewässerabschnitte und die Reaktivierung der Aue.

ImageNeutrassierter Gestringer Bach in Espelkamp
 
Oft sind nur sogenannte Initialmaßnahmen wie der Einbau von Strömungslenkern, punktuelle Aufweitungen oder Initialpflanzungen nötig, um eine eigendynamische Entwicklung anzustoßen.
 
ImageEinbau von Strömungslenkern am Wulferdingser Bach in Bad Oeynhausen.
 
Von besonderer Bedeutung ist die Durchgängigkeit eines Fließgewässers. Alle Bachtiere nutzen sehr verschiedene Strukturen und Orte, die sie je nach Jahres- oder Tageszeit erreichen wollen. Sohlabstürze, Verrohrungen und Wehre stellen für viele Arten unüberwindbare Hindernisse dar, so dass der stromaufwärts liegende Gewässerabschnitt für sie als Lebensraum verloren ist.
 
ImageSohlgleite im Rehmerloh-Mennighüffer-Mühlenbach in Kirchlengern
 
Im Rahmen des Gewässerentwicklungsprojektes Weser-Werre-Else haben wir schon viele verrohrte Gewässerabschnitte offengelegt, Sohlabstürze mit Sohlrampen abgefangen, Querbauwerke zurückgebaut und Wehre abgesenkt.

Bei der Durchsicht unserer Maßnahmen finden Sie viele praktische Beispiele.

Vielleicht kann ja in einigen Jahren Ihr Kind, wenn es von der Werre kommt, stolz ausrufen: "Heute habe ich einen ganz dicken Lachs beim Laichen zugesehen". Dann hätten wir alle einen großen Schritt zum nachhaltigen Umgang mit unseren Fließgewässern geschafft.