Rödinghausen

Große Aue, Aueweg: Uferverbauentfernung, Gewässersohleanhebung

Kommune:
Gemeinde Rödinghausen, nordöstlich vom Aueweg

Gewässer:
Große Aue, Gewässerkennzahl (GWK) 476, Gewässerstationierung 37 + 550 – 37 + 670

Art der Maßnahme:
Rückbau von wilden Uferverbau und Anhebung der Gewässersohle durch den Einsatz ingenieurbiologischer Bauweisen.

grosse-aue-aueweg-1Oktober 2011:
Nach Abschluss der wasserbaulichen Maßnahme fließt der Bach durchschnittlich 0,50 höher als zuvor durch das Gelände.
 

Einleitung:
Die Große Aue ist im Bereich Aueweg etwa 1 km unterhalb der Quelle begradigt. Dabei hat sich der Mittelgebirgsbach im Laufe der Zeit tief in das Gelände eingeschnitten. Infolgedessen sind ganze Uferpartien unterspült und in das Bachbett gerutscht. Um diesen Prozess zu stoppen, haben die Anlieger wilden Uferverbau an die Böschungen gepackt. Dies wiederum hat den Effekt der Tiefenerosion noch weiter verstärkt. Schließlich konzentrieren sich die hydraulischen Kräfte durch die Bacheinengung noch stärker auf die Sohle. Mittlerweile fließt der Mittelgebirgsbach bis zu 1,80 m unter Geländeniveau.

Nordöstlich der Straße „Aueweg“ verläuft der Bach zwischen einem kleinen Rotbuchenwald und einem Teich. Angesichts der starken Schattenwirkung der Buchen können sich nur wenige Sträucher am Bach etablieren. Ganz typisch für einen reinen Rotbuchenhochwald ist, dass krautige Pflanzen so gut wie gar nicht vorkommen. Insofern gibt es keine Gehölze, die die Bachufer mit ihrem Wurzelwerk stabilisieren.

grosse-aue-aueweg-2Januar 2011:
Blick Bach aufwärts auf die tief im Gelände verlaufende Große Aue. Im Vordergrund des Bildes ist noch ein alter Buchenstumpf zu erkennen. Hier hat ein Sturm vor mehreren Jahren dafür gesorgt, dass die Buche samt Ballen nach links umgefallen ist und dabei einen Riss in der Böschung herbeiführte.
 

Ziel und Umsetzung der Maßnahme:
Wesentliches Ziel der wasserbaulichen Maßnahme ist die Anhebung und Stabilisierung der Bachsohle. Daneben soll die Förderung der eigendynamischen Gewässerentwicklung in Gestalt einer Breitenentwicklung forciert werden.

Zu Beginn der Maßnahme wird der wilde Uferverbau von den Böschungen entfernt. Im Anschluss daran wird das Gewässerbett nach Süden vergrößert, wobei der Bodenaushub für den neuen Sohlabschnitt nicht bis runter auf das aktuelle Sohlniveau erfolgt. Stattdessen soll der Bach künftig mindestens 0,50 m höher fließen als vorher.
Zur Sohlanhebung bzw. -fixierung werden quer zur Fließrichtung in einem Abstand von rund 8 m kurze Stämme mit einer Länge von etwa 3 m und einem Durchmesser von rund 40 cm in die Bachsohle eingebaut. Stellenweise mussten sogar bis zu 3 Stämme übereinander gepackt werden. Am obersten Stamm wird eine Niedrigwasserrinne ausgesägt, in der sich das fließende Wasser bei niedrigen Abflüssen konzentriert. Die Stämme werden mit Pflöcken stabilisiert, die schräg in den Untergrund getrieben werden. Zwischen den einzelnen Stammabschnitten werden Faschinen auf die Bachsohle gelegt und mit Pflöcken und Draht fixiert. Die Faschinen sollen mitgeführtes Sediment aus dem fließenden Wasser auskämmen und so zur Ablagerung bringen. Durch die konservierende Eigenschaft des Wassers werden sich die Stämme als auch die Faschinen nicht so schnell zersetzen und die natürliche Bachsohle wird sich von Jahr zu Jahr aufhöhen und stabilisieren.
Abschnitte mit einem zu starken Längsgefälle werden durch eine raue Sohlgleite kompensiert. Die eng gepackten Natursteine sorgen dafür, dass sich keine rückschreitende Sohlerosion einstellt.

grosse-aue-aueweg-3August 2011:
Zu Beginn der Maßnahme wird der wilde Uferverbau entfernt und das Bachumfeld für die weiteren Arbeiten hergerichtet. Der Bereich mit dem Buchenstumpf bietet sich idealerweise für eine Sohlanhebung auf gewachsenen Grund an. Dazu wird ein kleiner Bogen, der optisch bereits vorhanden war um den Stumpf herum ausgekoffert.
 
grosse-aue-aueweg-4August 2011:
Wo vormals wilder Uferverbau vorherrschte, säumen nun Totholzfaschinen die Ufer. Die Aufweitung des Baches erfolgt nach links. Hier wird zunächst eine Art Uferberme auf deutlich höherem Niveau abgestochen. Dieser Vorsprung gibt zukünftig die neue Sohlhöhe vor.
 
grosse-aue-aueweg-5September 2011:
Das Sohlniveau von dem ausgekofferten und bereits angeschlossenen Bogen gibt von nun an den neuen und deutlich höher liegenden Wasserspiegel vor. Oberhalb und unterhalb wurden bereits zahlreiche Querstämme und jede Menge Faschinen eingebaut.
 
grosse-aue-aueweg-6September 2011:
Der anfallende Bodenaushub wird unmittelbar für die Verfüllung des alten Bachbettes verwendet. Die Ufer der aufgefüllten Seite werden mit Faschinen gesichert, da ansonsten der frisch angedeckte Boden abgeschwemmt würde.
 
grosse-aue-aueweg-7September 2011:
Blick Bach abwärts auf den neuen Gewässerbogen (linke Seite) und den deutlich angestiegenen Wasserspiegel.
 
grosse-aue-aueweg-8Oktober 2011:
Blick Bach aufwärts auf die sich im Unterwasser anschließende Sohlgleite. Die frisch angeschnittene rechte Böschung wird nicht ingenieurbiologisch gesichert. Die quer eingebauten Faschinen im Bereich des früheren Bachbettes fungieren als Widerlager, damit der angefüllte Boden nicht bei einem extremen Hochwasser aufweicht und weggespült wird.
 
grosse-aue-aueweg-9Oktober 2011:
Blick Bach aufwärts auf die raue Sohlgleite. Es werden viele m³ Boden benötigt, um den alten Verlauf bis auf das neue Geländeniveau zu bringen.
 
grosse-aue-aueweg-10Oktober 2011:
Das auf deutlich höherem Niveau befindliche Gewässerbett als auch die Modellierungen im Bachumfeld sind nahezu fertig gestellt.
 
grosse-aue-aueweg-11November 2011:
Nach einem stärkeren Regenereignis floss die Große Aue in der Hochwasserspitze bereits bordvoll ab.