Bad Oeynhausen

Dehmer Mühlenbach, OT Dehme, Im Fuchsloch: Offenlegung, Sekundäraue, 2 Furten

Kommune:
Stadt Bad Oeynhausen, OT Dehme, im Bereich der Straße „Im Fuchsloch“

Gewässer:
Dehmer Mühlenbach, Gewässerkennzahl (GWK) 471.31 und Gewässerstationierung 2+360 – 2+470

Art der Maßnahme:
Offenlegung des unterirdisch verlaufenden Baches. Modellierung einer schmalen Sekundäraue im oberen Abschnitt und Anbindung des Baches an ein kleines seitliches Muldenkerbtal im unteren Bereich. Herstellung eines leicht geschwungenen Bachlaufes mit flachem und breitem Bachbett. Bau von zwei Treckerfurten und einer rauen Sohlgleite.

Durchführung:
März bis November 2017

dehmer muehlenbach ot dehme im fuchsloch 01Bild 1 (Mai 2017): Blick Bach aufwärts auf den leicht geschwungenen Bachlauf, der zusammen mit einer bis zu 8 m breiten Sekundäraue östlich vom Forstweg modelliert wurde. 

Einleitung:
Am Fuße des Wiehengebirges wird der Oberlauf vom Dehmer Mühlenbach westlich des Naturschutzgebietes „Fuchsloch“ geführt. Dabei verläuft er auf den ersten Fließmetern in einem offenen Gerinne unmittelbar parallel vom Wirtschaftsweg „Zum Fuchsloch“. Danach unterquert der Mittelgebirgsbach in einer Betonrohrleitung (DN 300) auf einer Strecke von etwa 70 m diagonal den ohnehin wenig frequentierten Weg. Die wassergebundene Wegedecke geht weiter südlich ab Beginn einer kleinen Wohnsiedlung in einen asphaltierten Straßenbelag über. Unmittelbar auf Höhe der Schwarzdecke strömt das kleine Fließgewässer wieder oberirdisch. Von der Lage her liegt der Bachlauf nun östlich der Straße.

Im unteren Bachabschnitt begrenzt nach Osten eine ca. 3 m hohe Verwallung den Bach von einen sich weiter östlich anschließenden schmalen Talraum. Quer zum Talverlauf erstreckt sich eine ca. 1,50 m hohe Mauer, die als Sedimentfang fungiert. An der tiefsten Stelle des Tales befindet sich eine KG-Rohrleitung (DN 500) im Bodenkörper des Walles. Diese führt Oberflächenwasser vom Talgrund in Richtung Bachlauf ab. Bei dem rund 60 m langen Talraum handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um ein Relikt eines Muldenkerbtales sozusagen im Nebenschluss. Weiter talwärts wird die quer verlaufende Straße „Mühlensiek“ unterirdisch durchströmt.

Im Bereich des Wirtschaftsweges „Zum Fuchsloch“ grenzen kleine Waldareale nach Nordwesten an. Weiter östlich öffnen sich die waldartigen Strukturen allmählich und kleinere Bäume und Sträucher dominieren im zusehends halboffenen Landschaftsraum. Das Kerngebiet des Naturschutzgebietes liegt weiter östlich und besteht aus zumeist offenen Lebensraumtypen, die zu den Rändern hin von Waldflächen eingerahmt sind.

dehmer muehlenbach ot dehme im fuchsloch KarteAbb. 1: Ausschnitt aus der Plangenehmigung 

dehmer muehlenbach ot dehme im fuchsloch 02Bild 2 (Februar 2017): Blick talwärts entlang des wenig frequentierten Forstweges und auf die Stelle (Klinkermauer), ab wo der Dehmer Mühlenbach unterirdisch strömt. 

dehmer muehlenbach ot dehme im fuchsloch 03Bild 3 (Februar 2017): Blick gegen das Talgefälle entlang einer künstlichen Verwallung. Auf der linken Seite verläuft der Mittelgebirgsbach und auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich das Relikt eines Muldenkerbtales, in das ein Mauerwerk platziert wurde. 

Ziel und Umsetzung der Maßnahme:
Hauptziel der wasserbaulichen Maßnahme ist die Offenlegung des verrohrten Baches. Zum einen wird die Längsdurchgängigkeit im Mittelgebirgsbach wieder ermöglicht und zum anderen ein wichtiger Beitrag im Biotopverbund geleistet. Da der dann offen geführte Bach an zwei Stellen den Wirtschaftsweg quert, ist die Herstellung von zwei Furten vorgesehen.

Zu Beginn der Baumaßnahme mussten kleinere Gehölze, die mitten in der geplanten Bachtrasse stehen, gerodet werden. Es folgte der komplette Rückbau der quer im Talraum befindlichen Mauer. Darüber hinaus sind die mächtigen Betonplatten eines zweiten Wirtschaftsweges, der nach Nordosten in die Kernzone vom Naturschutzgebiet führt, zu beseitigen. Dieser massiv befestigte Weg soll stattdessen im Bereich der geplanten Bachquerung durch eine Furt ersetzt werden.

Bei dem Bauvorhaben erstreckt sich die Arbeitsrichtung von Süden nach Norden bzw. von unten nach oben. Zunächst wurde der südliche Abschnitt der künstlichen Verwallung auf einer Länge von etwa 5 m abgetragen. Höhenmäßig liegt der geöffnete Talraum rund 20 cm höher als der Mittelgebirgsbach. Während der Erdarbeiten konnte bei dem „Durchstich“ die KG-Rohrleitung ohne Beschädigung entnommen werden. Der anfallende Boden wurde zunächst zu einer Miete nahe der späteren Einbaustelle aufgesetzt.

Im Unterwasser der langen Bachverrohrung wurde eine 10 m lange KG-Rohrleitung (DN 200) an das unterste Betonrohr angeschlossen. Die Verkleinerung von DN 300 auf DN 200 basiert darauf, dass zukünftig lediglich noch die Vorflut für Regen- und Drainagewasser gegeben sein muss. Schließlich wird das Bachwasser im Zuge der Renaturierung komplett oberirdisch strömen. Es folgte der Bodeneinbau bis auf das angrenzende Geländeniveau. Die Verfüllung war erforderlich, da die geplante untere Furt durch ihre Lage im Gelände knapp 2 m weiter nach Südwesten rückte. Weiter Bach abwärts fand noch der Bau einer rauen Sohlgleite statt, um den entstandenen Gefällesprung von knapp 1 m zu kompensieren.

Das modellierte Bachbett weist eine Tiefe von lediglich 20 cm und eine Breite von durchschnittlich 1 m auf. Auf eine Feinmodellierung wurde bewusst verzichtet. Dabei ist die Linienführung des renaturierten Dehmer Mühlenbaches leicht geschwungen. Diese orientiert sich im Wesentlichen am vorhandenen Geländerelief als auch am ökologisch wertvolleren Gehölzbestand.

Während im unteren Talraum lediglich eine kleinräumige Remodellierung des ursprünglichen Muldenkerbtales erfolgte, musste im oberen Abschnitt zunächst eine etwa 8 m breite Sekundäraue ausgekoffert werden. Der Erdaushub bestand vorwiegend aus Lehm und beigemischtem Tonmergel. Dieser diente zur Aufhöhung des zuvor tief liegenden und durchgeweichten Forstweges um rund 20 cm. Infolgedessen lag die ausgekofferte Bachsohle anschließend rund 60 cm tiefer als der Wirtschaftsweg. Letztendlich war es möglich einen kostenneutralen Erdmassenausgleich mit Synergie Effekten vor Ort zu erzielen.

Etwa 5 m oberhalb der 80 m langen Verrohrung ist die Herstellung der oberen Furt geplant. Da die Bachsohle kurz vor der Betonverrohrung ca. 1 m tiefer als der ohnehin recht steile Wirtschaftsweg liegt, musste ein Verschwenken des Bachlaufes in einem diagonalen Verlauf schon rund 10 m weiter nördlich bzw. Bach aufwärts erfolgen. So war es möglich ein lediglich etwa 0,30 m tiefes Gerinne innerhalb der Furt zu platzieren.

Noch vor Fertigstellung der Furt besuchte die Bundesumweltministerin Frau Dr. Hendricks die wasserbauliche Maßnahme vom interkommunalen Gewässerentwicklungsprojekt Weser-Werre-Else. Zusammen mit weiteren Politikern vom Bund, Land als auch aus dem lokalen Bereich wurde der Durchstich getätigt. Seither strömt das Bachwasser vom Dehmer Mühlenbach oberirdisch in einem neuen, knapp 140 m langen Gewässerlauf. Die Bachstrecke hat sich durch die erfolgte wasserbauliche Baumaßnahme um etwa 30 m verlängert.

Die Abschlussarbeiten setzten sich anschließend noch aus der Verdämmung der Betonrohrleitung zusammen. Es folgten die Nachmodellierung des Geländes und Fertigstellung der oberen Furt. Zum Schluss standen noch die Einsaat mit einer Gräser-Kräuter Mischung sowie im Herbst eine Pflanzung mit standorttypischen Gehölzen an.

dehmer muehlenbach ot dehme im fuchsloch 04Bild 4 (März 2017): Blick auf die Verblendmauer (Bildmitte, z.T. verdeckt durch ein Baustellenschild), ab wo der Mittelgebirgsbach wieder oberirdisch strömt. Rechts führt ein Wirtschaftsweg z.T. mit großen Betonplatten in Richtung Kernzone des Naturschutzgebietes. 

dehmer muehlenbach ot dehme im fuchsloch 05Bild 5 (März 2017): Blick in Richtung Norden entlang des Durchbruchs in der Verwallung. Die Mauer ist bereits zurück gebaut (rechte Seite) und das Abbruchmaterial fachgerecht entsorgt. 

dehmer muehlenbach ot dehme im fuchsloch 06Bild 6 (April 2017): Vorne rechts im Bild strömt der Bach nach rund 70 lfd. m wieder oberirdisch. Der zukünftige Bachkorridor (Fließrichtung von links nach rechts) befindet sich rund 10 m weiter östlich. Die geplante Furt liegt diagonal im Gelände und ragt damit bis zu 2 m in den offenen Auslaufbereich des Baches. Zzt. führt die Gruppe der IfAS Rückbauarbeiten am mit Betonplatten bestehenden Weg durch. 

dehmer muehlenbach ot dehme im fuchsloch 07Bild 7 (April 2017): Blick talwärts auf die quer verlaufende Straße Mühlensiek (im Hintergrund) und den bereits modellierten Talanschluss. Im frisch angeschnittenen Böschungsbereich befand sich vor Baubeginn die KG-Rohrleitung. 

dehmer muehlenbach ot dehme im fuchsloch 08Bild 8 (April 2017): In der Verlängerung der Baggerspur liegt der geplante Bachlauf, der hinterher wieder durch das ursprüngliche (Seiten)Tal führt. Zwischen der aufgesetzten Bodenmiete (Bildmitte) und der 5 m³ Mulde wird der aktuell offene Bachabschnitt auf einer Strecke von 10 m zugunsten der Furt verfüllt. 

dehmer muehlenbach ot dehme im fuchsloch 09Bild 9 (April 2017): Blick auf die bereits zur Hälfte fertig gestellte Furt. Mittlerweile ist das neue Bachbett im Unterwasser modelliert. 

dehmer muehlenbach ot dehme im fuchsloch 10Bild 10 (April 2017): Blick talwärts auf das nun östlich (links) vom Forstweg verlaufende Fließgewässer. Der Bodenaushub verblieb vor Ort und konnte auf der wassergebundenen Wegedecke angedeckt werden. Damit liegt die neue Bachsohle deutlich tiefer. 

dehmer muehlenbach ot dehme im fuchsloch 11Bild 11 (Mai 2017): Die Bundesumweltministerin Frau Dr. Hendricks führt zusammen mit weiteren Politikern den Durchstich aus. Seither strömt das Bachwasser oberirdisch durch den renaturierten Abschnitt. Die Furt im Hintergrund ist im oberen Bereich noch nicht fertig gestellt. 

dehmer muehlenbach ot dehme im fuchsloch 12Bild 12 (Mai 2017): Der renaturierte Bachlauf strömt wieder durch das ursprüngliche Muldenkerbtal. Der alte Gewässerabschnitt liegt links und führt zukünftig lediglich Oberflächen- und Drainagewasser ab. Oben rechts ist die südliche Furt zu erkennen. 

dehmer muehlenbach ot dehme im fuchsloch 13Bild 13 (Mai 2017): Blick talwärts auf die südliche Furt und das sich unterhalb anschließende Muldenkerbtal. Der Dehmer Mühlenbach hat seinen ursprünglichen Verlauf wieder. 

dehmer muehlenbach ot dehme im fuchsloch 14Bild 14 (November 2017): Bei Dauerregen wurden auf dieser Baustelle etwa 80 wurzelnackte Gehölze gepflanzt. Vorne links ist die obere Furt zu erkennen. Die Lage der verdämmten Rohrleitung ist nicht mehr zu erkennen (vergleiche Bild 2).