Hüllhorst

Mühlenbach, Mühlenweg: Bau einer Sohlgleite

Kommune:
Hüllhorst, unterhalb der Straße „Mühlenweg“

Gewässer:
Mühlenbach

Art der Maßnahme:
Bau einer Sohlgleite unterhalb des Straßendurchlasses „Mühlenweg“

Ziel:
Herstellung der Durchgängigkeit

Unterhalb der Straße „Mühlenweg“ war die Durchgängigkeit des Hüllhorster Mühlenbaches für Fische und andere Bachtiere durch einen über 2 m hohen Sohlabsturz unterbrochen. Abhilfe sollte durch den Bau einer Sohlgleite geschaffen werden.
 
Die Gemeinde Hüllhorst musste sicherstellen, dass das ehemalige Mühlengebäude, welches heute als Wohnhaus genutzt wird, durch die deutliche Anhebung der Bachsohle auch bei starken Regenfällen keinen Schaden nimmt. Deshalb wurde ein Ingenieurbüro mit der Genehmigungsplanung einschließlich hydrologischer und hydraulischer Berechnungen beauftragt.
 
Dass der Sohlabsturz für Fische und andere Bachtiere ein unüberwindbares Hindernis darstellte, zeigte sich gleich zu Beginn der Arbeiten. Beim Leerpumpen des großen Kolkes, der sich im Laufe der Zeit unterhalb des Straßendurchlasses ausgespült hatte,...
 
...haben wir 13 Bachforellen und 4 Aale entnommen und an anderer Stelle wieder ausgesetzt. Die Tiere waren auf ihrem Weg Bach aufwärts in dieser „Sackgasse“ gelandet.
 
Der Bach wurde während der Bauphase umgeleitet, damit wir die großen Mengen Schotter und Wasserbausteine im Trockenen einbauen konnten. Für den Transport der Materialien in dem unwegsamen Gelände standen ein Kettenbagger und ein Raupenkipper zur Verfügung.
 
 
 
Nachdem das Rohplanum aus Schotter hergestellt war, …
 
… ging es an den Einbau der Wasserbausteine. Die Wasserbausteine wurden 2-lagig eingebaut und dabei gut miteinander verkeilt und verkantet. Hohlräume zwischen den Wasserbausteinen wurden mit Schotter aufgefüllt, so dass eine stabile und strukturreiche neue Bachsohle entsteht.
 
Nach Abschluss der Arbeiten ist der Straßendurchlass Mühlenweg für alle Bachtiere passierbar: Die glatte Betonsohle im Durchlass wurde durch das Aufbringen von Wasserbausteinen und Schotter aufgerauht. Die Sohlgleite setzt auf Höhe der ca. 20 cm aufgehöhten Durchlasssohle an. Durch die immer wieder aus der Steinpackung herausragenden Steinspitzen und Störsteine wurde die Bachsohle bewusst sehr rau gestaltet. Die Strömung wird so immer wieder gebrochen und es entsteht ein sehr vielfältiges Strömungsmuster.
 
Der ehemalige Sohlabsturz wird jetzt über eine Strecke von ca. 70 m allmählich abgefangen. Das neue Bachbett wurde in einem leicht geschwungenen Lauf angelegt und mit variierenden Sohlbreiten und –tiefen und einer integrierten Niedrigwasserrinne gestaltet.
 
Etwa auf halber Strecke wurde ein so genannter Ruhekolk eingebaut. Es handelt sich um einen gezielt aufgeweiteten und eingetieften Bachabschnitt, der den aufwandernden Fischen insbesondere in Zeiten niedriger Wasserführung einen Aufenthalts- und Ruheraum bietet.
 
Unmittelbar nach Fertigstellung der Sohlgleite kam es am 26. / 27.08.2010 zu außergewöhnlich starken Regenfällen mit entsprechenden Hochwasserabflüssen. Wie geplant brach der Bach aus seiner Mittelwasserrinne aus und breitete sich zur rechten Seite hin aus. Nach Aufnahme dieses Bildes am Nachmittag stieg der Wasserabfluss am späteren Abend noch einmal dramatisch an.
 
Nach Rückgang der Wasserstände zeigte sich, dass der Wall, der linksseitig zum Schutz des Gebäudes angelegt wurde, zum Teil von der starken Strömung weggerissen wurde. Das Problem war, dass der Boden noch ohne Vegetationsdecke und entsprechend erosionsanfällig war.
 
Unmittelbar unterhalb des Straßendurchlasses waren Wasserbausteine von der starken Ströumung abgetragen worden, so dass sich wieder ein kleiner Kolk ausgebildet hatte. Hier waren Nacharbeiten notwendig!
 
Die zunächst nur mit Boden modellierte Verwallung zum Wohngrundstück hin haben wir terassenartig angelegt und für den kurzzeitigen Schutz mit Faschinen stabilisiert.
 
Den Kolk direkt unterhalb des Straßendurchlasses haben wir mit Wasserbausteinen und Schotter aufgefüllt und mit weiteren Querriegeln aus Erlenpflöcken stabilisiert. Das im Bild zu sehenden PE-Rohr dient dazu, das Bachwasser im Straßendurchlass abzufangen und über die zu reparierende Stelle hinwegzuleiten.
 
Für die langfristige Stabilität haben wir die Böschung zum Wohngrundstück hin mit Erlen bepflanzt. In wenigen Jahren werden die Erlen tief reichende Wurzeln entwickelt haben, die die Böschung auf Dauer sichern.
 
Nach endgültigem Abschluss der Maßnahme ist ein massives Wanderungshindernis für Fische und die sich auf der Bachsohle bewegenden Kleintiere im Hüllhorster Mühlenbachsystem beseitigt.
 
Künftig können die Fische und anderen Bachtiere den „Mühlenweg“ in Hüllhorst problemlos unterqueren!