Enger

Bolldammbach, Belke-Steinbeck: Renaturierung

Kommune:
Enger, Belke-Steinbeck

Gewässer:
Bolldammbach

Art der Maßnahme:
Renaturierung des Bolldammbaches in Belke-Steinbeck


Der Bolldammbach wurde in den 1960`ziger Jahren zwischen Enger und der Mündung in die Else letztmalig begradigt. Ufer und Sohle wurden mit Steinen gegen jedwede Veränderung gesichert.

Ausbauzustand des Bolldammbaches unterhalb der Straße Dornbreede
 
Dieser Ausbau verhinderte jede eigendynamische Entwicklung. In der Vergangenheit beeinträchtigte auch die Kläranlage Enger die Wassergüte des Baches. Durch den letzten Ausbau der Kläranlage ist das Wasser, welches die Anlage verlässt, allerdings sehr gut. Trotzdem zeigen sich bei der Besiedlung des Baches Beeinträchtigungen. Diese werden überwiegend durch die monotone Struktur und den Ausbauzustand verursacht. Ohne die anliegenden Flächen war aber eine wirkliche Verbesserung dieses Zustandes nicht zu erreichen.

Im Herbst 2007 hatte die Stadt Enger die Chance die Flächen zwischen der Straße Dornbreede und 150 m unterhalb des Weges „Holzweg“ zu erwerben. Diese Möglichkeit ergriff die Stadt sofort und der Kauf konnte noch 2007 abgewickelt werden. Parallel dazu wurde eine Planung zur naturnahen Neugestaltung des Baches entworfen.

Karte 1: Entwurfsplanung und Übersicht über das Maßnahmengebiet (Doppelklick = Übersichtskarte in besserer Qualität)

Ein Planungsbüro (Technaqua GmbH) leitete die Ausschreibung und begleitete die Arbeiten einer Fremdfirma bei den umfangreichen Erdarbeiten in 2008.

Ab Ende September begann eine Fremdfirma mit den umfangreichen Bodenarbeiten.
 
Anlage des neuen Bachlaufes
 
Der neue Bolldammbach sollte kein starres Bachbett bekommen sondern sich in einer breiten Mulde sein eigenes Bachbett schaffen. Durch die Fremdfirma wurde lediglich eine schmale Rinne für das Niedrigwasser gezogen. Der überschüssige Boden wurde entfernt und abgefahren. Der alte Bolldammbach wurde nicht verfüllt. An 2 Stellen wurden Sperren geschüttet damit der Bach durch das neue Bett fließt. Der restliche Bachlauf wurde als „Altarm“ erhalten.

Ansicht am 02.12.2008:
Bereits Anfang Dezember 2008 waren die Erdarbeiten weitestgehend abgeschlossen. Wie üblich sah die gesamte Fläche wüst und matschig aus.
 
Obwohl die Baggerarbeiten sehr gut durchgeführt wurden, sollte der Bach animiert werden sich dynamischer zu entwickeln. Für diese Störelemete wurden ca. 100 Baumstubben in Ufer und Bach eingebaut und gegen ein Verdriften gesichert.

Einbau von Strömungslenkern (06.04.2009)
 
Einbau
 
Dadurch wurde der Bach eingeengt und höhere Strömungen entstanden. Der Einbau der Wurzel hatte seine Tücken und wird wohl nicht eine unserer Lieblingsarbeiten. Wasserbausteine wurden zur Strukturanreicherung nicht verwendet, da große Steine für den Bolldammbach nicht typisch sind.

Ansicht der Strömungslenker im Oktober 2009:
Die Strömung wird durch die Wurzeln gelenkt. Verschiedene Fließgeschwindigkeiten entstehen (Strömungsmosaik), auch in der Sohle und im  Uferbereich entstehen unterschiedlichste Strukturen. Auf dem Ufer ist bereits ein dichtes aufkommen von Erlen zu sehen.
 
Detail der Ufer:
Sumpfvegetation (Rohrkolben, Bachbunge) erstrecken sich in den Bach.
 
Auch auf der Bachsohle hat sich im Oktober 2009 schon etwas verändert. Mergel (Lias-Tonstein) und Sande überdecken den Lehm und beginnen Bänke und Inselchen zu bilden. Dieser Prozess ist aber erst im Beginn und wird sich noch über einen längeren Zeitraum erstrecken.
 
Ansicht vom 13.10.2009:
Von der Dornbreede aus präsentieren sich im Oktober 2009 die Flächen wieder grün. Die Bauschäden sind weitestgehend überwachsen, Rohböden am Bach werden sich in den nächsten Monaten ebenfalls bestocken und schon im nächsten Jahr wird nur noch ein Kundiger die Bauarbeiten erkennen.
 
Und wie geht es weiter?

Wenn die Flächen nicht bewirtschaftet würden, würde sich ein Wald aus Erlen und Weiden einstellen. Das ist aber nicht das Ziel für diesen Bereich. Hier soll eine extensive Wiesenfläche mit einem ungezügelten Bolldammbach und einzelnen Bäumen entstehen. Der Bach kann und soll dort ohne Unterhaltung und Räumung sein eigenes Gesicht gestalten, die Bauarbeiten waren dazu nur die Initierung.

Trotzdem gibt es noch etwas zu tun: Der übermäßige Erlen- und Weidenaufwuchs muss gebremst und die Wiese muss für die Beweidung eingezäunt werden. Eine Einzäunung ist auch für den Schutz der Fläche nötig, denn das Interesse der Bürger ist gewaltig. Per Pferd, Fahrrad, mit Hund und zu Fuß wird die Wiese in Besitz genommen. Dieses Interesse ist toll, zeigt sich doch, dass wir Menschen einen großen Hang zur Natur und ihrer Schönheit haben (auch hier bei uns und nicht nur im Fernsehen). Aber leider sind wir zu viele und die Schäden, die wir in großen Gruppen anrichten, sind massiv. Deshalb wird die Wiese eingezäunt und mit Heckrindern beweidet. Trotzdem können und sollen wir die Fläche genießen, aber eben möglichst von den Wegen aus.

Ein Nebeneffekt dieser Renaturierung ist, dass sich bei Hochwasser bis zu 10.000 m³ Wasser in der Fläche verteilen und nur langsam nach Hiddenhausen und Kirchlengern fließen. Wie wichtig Talräume für einen dezentralen Hochwasserschutz sind, ist eine Erkenntniss der jüngeren Zeit. In der Verbindung mit naturnahen Fließgewässerräumen ist hier noch viel Handlungsbedarf.