Bad Oeynhausen

Hambkebach, Uhlandstr.: Raue Sohlgleite, neuer Bachverlauf

Kommune:
Stadt Bad Oeynhausen, südlich der Uhlandstraße

Gewässer:
Hambkebach, Gewässerstationierung 1+840 - 2+100

Art der Maßnahme:
Herstellung einer rauen Sohlgleite im Oberwasser vom Hochwasserrückhaltebecken und Anlage eines neuen, leicht geschwungenen Bachverlaufes im HRB
(siehe auch Maßnahme Hambkebach, Lessingstr. - raue Sohlgleite)

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Juli 2007:
Eineinhalb Jahre nach Fertigstellung der wasserbaulichen Maßnahme übernehmen die gepflanzten Schwarzerlen bereits die Funktion der Sohlstabilisierung sowie als natürliche Treibgutsperren.
 
Einleitung:
Bereits nach kurzen, ergiebigen Niederschlägen fließt im Gewässersystem des Hambkebaches eine außerordentlich steile Hochwasserwelle talwärts in Richtung Werre. Ausschlaggebend hierfür ist der sehr hohe Versiegelungsgrad im Einzugsgebiet in Verbindung mit einem starken Längsgefälle des Baches. Durch die unausweichliche Klimaerwärmung wird auch das vom Menschen verstärkte Naturphänomen Hochwasser in Zukunft in immer kürzeren Zeitabständen bei gleichzeitig zunehmender Intensität mit all seinen Problemen auftreten werden.
Neben der erhöhten Hochwassergefahr für die zumeist in den Unterläufen liegenden Stadtgebiete führen die in immer engeren Intervallen auftretenden erhöhten Abflussmengen zu einer zunehmenden Sohl- und Ufererosion im gesamten Gewässer. Im Unterlauf wurden in den vorausgegangenen Jahren bereits zahlreiche wasserbaulichen Maßnahmen zur naturnahen Gewässerentwicklung durchgeführt. Die in immer engeren Zeiträumen auftretenden unnatürlich hohen Wassermengen erschweren jedoch eine naturnahe Entwicklung des Hambkebaches. Eine unnatürlich starke Sohl- und Ufererosion sowie die ständige Verlagerung von Substrat und Abdriftung von Gewässerorganismen unterbindet eine unter naturnahen Verhältnissen stattfindende eigendynamische Gewässerentwicklung.

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Karte 1: Lageplan und Maßnahmenübersicht

Südlich der Uhlandstraße liegt ein Durchflussteich in einer bandartigen Parkanlage. Durch eine übermäßige Fütterung der Enten gelangen neben dem ohnehin schon stark verlandeten Parkteich zusätzliche Nährstoffe in das Wasser. Es kommt zu einer schlechten Wasserqualität und insbesondere in den Sommermonaten zu einer Sauerstoffarmut, die Bach abwärts erst wieder allmählich abgebaut wird. Darüber hinaus wird die Längsdurchgängigkeit für wandernde Organismen durch den Absturz im Mönchbauwerk als auch der Querung des Stillgewässers unterbundenen. Zudem findet der natürliche Geschiebetransport im plötzlich stehenden Wasser ein jähes Ende und führt Bach abwärts zu einer erhöhten Sohlerosion, da das fließende Wasser hier verstärkt Substrat aufnimmt.

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August 2005:
Der "Ententeich" unterbindet sowohl die Längsdurchgängigkeit als auch den Geschiebetransport und führt zudem zu einem erhöhten Nährstoffeintrag mit einhergehender Sauerstoffzehrung.
 
Ziel:
Wesentliches Ziel der umfangreichen wasserbaulichen Maßnahme ist es, den stehenden Wasserkörper mit all seinen Beeinträchtigungen aus dem Gewässersystem Hambkebach zu beseitigen. Darüber hinaus ist es notwendig, die in 2004 und 2005 umgesetzten wasserbaulichen Maßnahmen Bach abwärts im Bereich der Oeynhauser Schweiz gegen zu starke hydraulischen Belastungsspitzen zu schützen. Hierzu wurde beabsichtigt, den im Hauptschluss des Fließgewässers befindliche "Ententeich" zu einem Hochwasserrückhaltebecken umzugestalten. In der neu modellierten Talaue soll sich das Gewässer dann weitgehend eigendynamisch entwickeln.
Im Einlaufbereich des Beckens musste der Gefälleunterschied zum talwärtigen Gewässerabschnitt kompensiert werden. Hierzu wird eine raue Sohlgleite, bestehend aus großen Wasserbausteinen in Kombination mit einem Schottergemisch hergestellt. Im Anschluss an das Auslaufbereich vom Durchlass "Uhlandstraße" wird die Sohle so angelegt, das sich im Oberwasser auf der Betonsohle natürliches Substrat ablagern kann.
Für die Zukunft sollen gepflanzte Schwarzerlen die Gleite als auch die seitlichen Ufer dauerhaft gegen die erosiven Kräfte des fließenden Wassers sichern. Die Gehölze wurden ähnlich wie im gesamten Abschnitt der Oeynhauser Schweiz mit Pfählen gegen ein mögliches Abdriften gesichert. Langfristig fungieren die Schwarzerlen als natürliche Treibgutsperren.

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Oktober 2005:
Blick Bach abwärts auf die neu ausgekofferte Bachtrasse. Im Hintergrund ist das modellierte Hochwasserrückhaltebecken zu sehen.
 
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November 2005:
Die doppelte Pfahlreihe wird in einem Abstand von ca. 3 m in den Boden getrieben.
 
ImageNovember 2005:
Durch die Wasserhaltung konnte die raue Sohlgleite im Trockenbau hergestellt werden.
 
ImageNovember 2005:
Blick gegen die Fließrichtung auf die Tosmulde, die zur Brechung der Fließenergie mit Wasserbausteinen bestückt ist.
 
ImageNovember 2005:
Nach Fertigstellung der rauen Sohlgleite fließt das Wasser nun durch das neue Bachbett.
 
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Dezember 2005:
Die Tosmulde hat sich bereits nach wenigen Tagen mit Feinmaterial so aufgefüllt, das die ökologische Durchgängigkeit gewährleistet ist.
 
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Dezember 2005:
Blick Bach abwärts auf das neue Bachbett und der unmittelbare Übergang in das HRB.
 
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Dezember 2005:
Mit einem leichten Gefälle verläuft der Hambkebach durch das Hochwasserrückhaltebecken, das mit Eichengruppen bepflanzt wurde. Materialumlagerungen und erste Inselbildungen sind bereits auf der Bachsohle zu erkennen.
 
ImageJuli 2007:
Nach eineinhalb Jahren hat sich das HRB vollständig begrünt und das Fließgewässer führt bereits Geschiebe über die Bachsohle.
 
ImageJuli 2007:
Die gepflanzten Schwarzerlen schieben bereits ihr Wurzelwerk bis durch die Sohlgleite und stabilisieren so das eingebaute Material.